DEREK PLAYS ERIC

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Di 19.9. – 21:00 h – Eintritt: frei – Spenden erwünscht!
Leider keine Reservierung möglich.
Wer zuerst kommt sitzt am besten.

DEREK PLAYS ERIC
Andreas Willers (g), Jan Roder (b,e-b), Christian Marien (dr)
…Modern Creative.

DerekPlaysEric_09_17Drei Experten des gekonnten musikalischen Stilbruchs jagen eine mysteriöse Miss Hecker* durch Fußballstadien und beschallen wahllos Fahrstühle mit Brecht’schem ‚die Widersprüche sind unsere Hoffnung‘: A nod to two guitarslinging British gentlemen, with a little help from Duke, Mingus, Willie Dixon, Jack Bruce, Mahavishnu & Gentle Giant – a splendid time is guaranteed for all.
Die Gitarristen Derek Bailey und Eric Clapton haben in den 60ern in der Musik wichtige Impulse gesetzt. Ansonsten scheinen sie über so wenig musikalische Gemeinsamkeiten zu verfügen, dass ein rückblickendes Projekt wie der Versuch wirken muss, vom Parkplatz einer Hochhaussiedlung in den siebenten Stock zu springen – wie geschaffen für eine Expedition in musikalischer Dialektik.
Der lakonische Stoizismus eines Derek Bailey, einem der Pioniere der nicht-idiomatischen Improvisationsmusik (geb. 1930 in Sheffield, gest. 2005 in London) stößt also auf die an Hybris grenzende emotionale Größe der Legende des Bluesrock, Eric Clapton (geb.1945 in Ripley b. London). Als eine Art Scharnier für diesen musikalischen Spagat fungieren neben Stücken amerikanischer Vorbilder wie Duke Ellington und Willie Dixon Anregungen von bestimmten 60er Jahre Britjazz-Alben wie ‚Things We Like‘ von Jack Bruce (mit einem gewissen John McLaughlin an der Gitarre) und frühem britisch-amerikanischen Jazz- und Progrock. Heraus kommt, wie immer bei Andreas Willers, eine gitarristische Tour de Force, die Stilgrenzen schlicht pulverisiert, aber Stimmungen treffsicher einfängt. Erst der aktuelle Stand der Reflektion schärft den heutigen Blick für kreative panidiomorphe Disruptionen und enthüllt künstlerische Gemeinsamkeiten unserer Protagonisten vor dem Hintergrund vormals getrennter Genres.
Bassist Jan Roder und Schlagzeuger Christian Marien gehören zu den meistbeschäftigten Musikern in Berlins boomender Jazz- und Improvisationsszene, die mit vielen wichtigen Vertretern der Avantgarde bis in den Bereich der Rockmusik gearbeitet haben. Jahrlange gemeinsame Erfahrungen in unterschiedlichsten Jazz-Konstellationen bis hin zur Atomisierung kleinster musikalischer Parameter in der nicht-idiomatischen Improvisation ermöglichen ihnen die intuitive Handhabung divergenten Materials hin zu einem ‚atmenden Repertoire’, welches auf der gleichen Basis zu täglich andere Ergebnissen führen kann, ohne eigenes Profil aufzugeben.
Andreas Willers gab sein überregionales Debut im Herbst 1981 als Improvisationsmusiker mit einem Soloset auf dem Total Music Meeting in Berlin. Zur gleichen Zeit tourte er noch bis 1983 mit der Bluesband seiner Anfangsjahre durch Zentraleuropa, was den Radiomoderator und Doyen der westdeutschen Jazzkritik Werner Burkhardt seinerzeit zu dem Kommentar veranlasste: „Andreas gelingt es in seinem Spiel den Blues in seine Einzelteile zerlegt in alle Ecken des Raumes zu verteilen, ohne dabei dessen Geist zu verleugnen“. Nach dem Studium in Nordamerika u.a. bei Joe Diorio und John Abercrombie und dem Umzug nach Berlin 1984 gilt er als einer der profilierteren Jazz- und Avantgardegitarristen Europas mit einer individuellen, wiedererkennbaren Stimme, der in seiner Arbeit immer sowohl vom Jazz- als auch vom Freejazz-Mainstream Abstand gehalten hat. Chris Kelsey schrieb im amerikanischen Cadence Magazine: ‚Rarely does one hear a guitarist who sounds so much as if he’s listened to Eric Dolphy‘, womit wir wieder beim Thema wären….Eric, Derek who?

*= quasi geheimer Berliner Spielort für Avantgarde und improvisierte Musik

Kompositionen, die zu verschiedenen Zeitpunkten im Repertoire vorkamen, in originaler, re-komponierter oder dekonstruierter Form:
Ain’t Got Nothin’ but the Blues (Duke Ellington, Don George)
Dance Of Maya (John McLaughlin)
Goodbye Porkpie Hat (Charles Mingus)
HCKHH Blues / Statues (Jack Bruce)
Hideaway (Freddie King)
Layla (Eric Clapton, James Gordon)
Little Red Rooster (Willie Dixon)
Presence Of The Lord (Eric Clapton)
The Politician (Jack Bruce, Pete Brown)
Right Off (Miles Davis)
Studies Ex. 1 & 3 (Derek Bailey) (as printed in ‚Guitar‘ 1978)
Steppin’ Out (Memphis Slim)
Turnaround (Ornette Coleman)
Valedictory (Gentle Giant: Minear, Shulman, Shulman)
Willie The Pimp (Frank Zappa)

Andreas Willers,
geb. 1957, arbeitet als Komponist und Gitarrist hauptsächlich mit den Tonsprachen von Neuer Musik und zeitgenössischem Jazz sowie in der improvisierten Musik. Er begann in Blues- und Swingbands und legte 1981 eine Debut-Solo-LP auf dem FMP Label vor. Er studierte elektrische Gitarre in Los Angeles, Hamburg und Banff (Canada).
Zahlreiche Konzerte und Aufnahmen mit Paul Bley, Louis Sclavis, Enrico Rava, Dave Liebman, Trilok Gurtu, David Murray, Mark Feldman, Jim Black, Urs Leimgruber, Achim Kaufmann, Axel Dörner, Johannes Bauer, Matthias Schubert, Gebhard Ullmann, Dominique Pifarély u.v.a.
Über 40 Veröffentlichungen, Tourneen und Festivalauftritte weltweit, Kompostitionen u.a für das Jazz Baltica Ensemble, die NDR Bigband, das Boreas Ensemble und das Ensemble E-Werk, in dem er auch als Interpret Neuer Musik tätig ist. Unterrichtete Jazzgitarre an der Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin, von 1991-96.

Der Bassist Jan Roder,
geb. 1968, lebt nach diversen Zwischenstationen, seit 1995 in Berlin und widmet dort als einer der Protagonisten seine Zeit dem zeitgenössischen (freien) Jazz und improvisierter Musik.
Er spielt mit Alexander v. Schlippenbach, Aki Takase, Rudi Mahall, Gunter Hampel, Irene Schweizer, Ulrich Gumpert, Ernst Ludwig Petrowski, Thomas Borgmann, Peter Brötzmann, Wolfgang Puschnig, Axel Dörner, Wlli Kellers, Michael Griener, Oliver Steidle, Silke Eberhard, Tristan Honsinger, Christof Thewes, Matthias Schubert, Olaf Rupp u.v.a.
Konzerttourneen und Festivals in aller Welt.
CD Produktionen, u.a. „Jan Roder – Doublebass“, “Die Enttäuschung – Vier Halbe”, “Monk’s Casino”, “Die Dicken Finger – Argyromanie”, “Soko Steidle – Played Ellington”, “ Rennert-Roder- Schabata-Soyka – Viererlei”, „ Tama-Goldfish“, „JR3 – Happy Jazz“.
Roder ist beteiligt an Projekten wie Monks Casino, Die Enttäuschung, Soko Steidle, Squakk, Die Dicken Finger (am E-bass), Silke Eberhard Trio, Ulrich Gumpert Quartett / Workshopband, JR3 (mit Rudi Mahall und Olaf Rupp) u.v.a., tritt als Solist auf und arbeitet von Zeit zu Zeit als Studiomusiker.
www.janroder.de

Christian Marien,
1975 in Münster (Westf.) geboren, spielt seit seinem dreizehnten Lebensjahr Schlagzeug. Punk und Rock sind seine Wurzeln, doch schon früh fand er einen Zugang zum Jazz und Artverwandtem, studierte schließlich Jazz-Schlagzeug in Amsterdam und Berlin, wo er seit 2000 lebt. Dort machte er sich zunächst in der Jazz-Szene einen Namen, u.a. als Mitbegründer der Ensembles Olaf Ton und Stereolisa. Mehr und mehr wandte er sich der frei improvisierten Musik zu, spielte mit einer Vielzahl hochkarätiger Improvisations-Künstler (wie Frank Gratkowski, Gebhard Ullmann, Jürgen Kupke, Christian Weber und vielen anderen) und avancierte zu einem festen Bestandteil der Berliner Improvisations-und Jazz-Szene.
Über viele Jahre arbeitet er intensiv mit seinem Duo „Superimpose“ (mit Matthias Müller – Posaune) und dem Trio „The Astronomical Unit“ (mit Matthias Müller-Posaune und Clayton Thomas-Kontrabass). Mit diesen und aber auch als Mitglied zahlreicher weiterer Ensembles (Z-Country Paradise, UnbedingT, Benjamin Weidekamp Quartett, Miss Platnum, Hannes Zerbe Jazz Orchester) spielt er Konzerte in Europa und Nordamerika unter anderem beim Jazzfestival Montreux, Jazzfestival Hermannstadt, Leipziger Jazztage, Jazzfestival Rüsselsheim, Jazzfestival Frankfurt, Moers Festival und veröffentlicht CDs auf Labels wie „leo records“ und „Jazzwerkstatt“.
Sein Interesse an Genre übergreifendem künstlerischem Austausch bringt ihn zusammen mit bildenden Künstlern (Thomas Bratzke, Philip Wiegard), Schauspielern (Judith Strößenreuter) oder Tänzern (Hans-Werner Klohe, Kadir „Amigo“ Memis, Julyen Hamilton). Insbesondere mit der Performance-Gruppe „Ritsche, Zast & Marien“, die Improvisation in Musik und Malerei verbindet, bestreitet er Performances, Festivalauftritte und Ausstellungen.