Rotwelsch

Mi 13.11. – 21:00 h – Eintritt: frei
Leider keine Reservierung möglich.
Wer zuerst kommt, sitzt am besten!

Rotwelsch
Philipp Maria Rosenberg (piano), Florian Kolb (doublebass), Chris Massey (drums)
Contemporary Jazz, Chamber Jazz, European Jazz

Rotwelsch horcht zurück in eine Zeit, in der Musikanten in einen Topf mit fahrendem Gesindel, mit «Zigeunern», mit den jüdischen reisenden Händlern, den Ganoven, Räubern und Banditen geworfen wurden. Rotwelsch war ihre gemeinsame Sprache, kreativ, erfinderisch, geheimnisvoll, ein faszinierender Zugang zu eigentümlichen Identitäten, die trotz argwöhnischer Blicke der bürgerlichen Arrivierten einen grossen Einfluss auf die abendländische Kultur hatten. Während der Alltag dieser Randgänger hart und mit zahlreichen Entbehrungen verknüpft war, fanden idealisierte Vertreter dieser Welt den Weg auf die Bühnen und in die Romane des Bürgertums – raubeinige Wegelagerer mit grossen Gefühlen, gesellige Runden am Lagerfeuer unter Alkoholeinfluss, Verwirrspiele, Finten und Manöver unterhielten die Massen bestens.
Die Musik von Rotwelsch bezieht sich spielerisch und schalkhaft auf diese kreative und sprachschöpferische Kultur sowie ihre romantisierte Spiegelung in der literarischen Welt. Eigenkompositionen mit Wurzeln in der Jazztradition und sprechenden Titeln wie «Vagabundenherz» oder «Verirrungen auf der Gefühlsschlachtbank» schielen zum grossen Pathos, während Stücke wie «Dirnengeplapper» vor Lautmalerei keinen Halt machen. Kraft und Spontaneität bezieht Rotwelsch aus der improvisierten Musik. Statt dem Real Book dienen unvergessene Klassiker der Operettenwelt als Basis für Neuinterpretationen («Ich knüpfte manche zarte Bande», «Schwarze Ninetta»). Rotwelsch vagabundiert zwischen diesen musikalischen Welten und wagt den Drahtseilakt zwischen Kunst, Krach und Kitsch.

Philipp Maria Rosenberg (1993) ist ein Schweizer Pianist und Komponist lebhaft in Winterthur/Zürich. Bereits im frühen Kindesalter erlernte er das Klavierspiel, welches sich in seinem fünfzehnten Lebensjahr, unter Aufsicht Miugel Bächtold’s, zu seiner grossen Passion entwickelte. Von 2011-2016 besuchte er das Winterthurer Institut Aktueller Musik (WIAM) mit Unterricht bei Greg Galli, Albert Landolt und Bela Balint, dessen Klavier und Arrangierkünste einen massgebenden Einfluss hatten. Es folgten diverse Meisterkurse bei amerikanischen Jazzkoryphäen wie Aaron Parks, Aaron Goldberg und John Escreet. 2018 begann er mit dem Master of Perfomance am Jazzcampus Basel, wo er bei Hans Feigenwinter und Lester Menezes Unterricht geniesst. Neben dem Trio Rotwelsch, gehört das Duo mit Jazzsängerin Andrea Janser, mit welcher er 2015 das Album Enjoy It (Unit Records) veröffentlichte, zu seinen Langzeitprojekten.
Florian Kolb, geboren am 28.6. 1991, begann schon in früher Kindheit mit dem Cellospiel. Im dreizehnten Lebensjahr entdeckte er das Schlagzeug und kurze Zeit später inspiriert durch seine Liebe zum Jazz das Kontrabassspiel für sich. Er liess sich im WIAM von 2008-2013 in Schlagzeug bei Chris Massey, Michel Barengo und Peter Haas ausbilden. Anschliessend absolvierte er von 2013-2016 seinen Bachelor in Kontrabass an der ZHdK. Unterricht bei Andreas Cincera, Rätus Flisch, Dominique Girod und Christian Weber. Von 2016-2017 folgt ein Masterstudium an der ZHdK mit Schwerpunkt Schlagzeug/Pädagogik bei Lucas Niggli und Tony Renold. Er spielt in verschiedenen Projekten hauptsächlich in den Bereichen Improvisierte Musik, Barock und zeitgenössische Musik. Seit dem Herbst 2017 kuratiert Florian Kolb zusammen mit Lucas Niggli die Konzertreihe PAM in Uster. Aktuelle Bands sind: Rotwelsch, White Pulse, Piffalamozza, Menschenstoff und Cheibe Balagan.
Chris Massey – Schlagzeuger aus Buffalo, New York, USA. Er besuchte in den späten 70er Jahren das Berklee College of Music in Boston, wo er mit Kevin Eubanks, Mike Gibbs und dem Gitarristen Michael Leasure auftrat und bei Drummer Joe Hunt studierte. „Ich war damals stark von den Schlagzeugern Bob Moses und Jon Christensen beeinflusst und erkannte, dass es einen anderen Weg gab das Schlagzeug einzusetzen.“ Nach seinem Umzug nach New York City arbeitete er mit dem französischen Hornisten Tom Varner, dem Saxophonisten Brian Gephart und dem Bassisten Kermit Driscoll zusammen, wo er auf den Gitarristen Bill Frisell traf. „In meiner frühen Jugend wurde ich stark beeinflusst von Elvin Jones und an Konzerten sass ich so nahe wie irgend möglich an seinem Hi-Hat, beim Spielen mit Frisell jedoch begann die Musik eine andere Dimension anzunehmen. Bei meiner ersten Aufnahme mit Bill wurde mir klar, dass er die Atmosphäre um die Musik herum veränderte. Bill spielte in den frühen 80er Jahren mit dem Schlagzeuger Paul Motian und das hat mich sehr stark beeinflusst. Ich begann, das Schlagzeug als eine Möglichkeit zu betrachten, mit Rhythmus und Klang zu malen. Seit ich an der „Art Students League“ in New York bildnerische Kunst studiert hatte, trug ich sozusagen immer auch den visuellen Aspekt der Kreativität in mir. In den letzten fünf Jahren gelang es mir, beides miteinander zu verbinden. Heute fühle ich mich beinahe mehr wie ein Maler als wie ein Musiker. Mit Jazz aufgewachsen, habe ich dessen traditionelle Elemente von Grund auf erlernt und nütze diese auch weiterhin in meiner Musik, doch gestalte ich heute die Atmosphäre und die Dynamik selbst aktiv mit.“ Chris Massey performte mit dem amerikanischen Dichter Robert Creeley, dem Bassisten Steve Swallow, dem Gitarristen Raoul Bjorkenheim, dem Pianisten Jim Beard, dem Gitarristen David Grissom, dem Blues-Gitarristen Chris Duarte und war Teil der Gruppe „forever sharp and vivid“ mit dem Gitarristen David Torn. Er spielte auch auf der CD „Buffalo Returns to the Plains“ des Singer-Songwriters Jimmy LaFave, die auf Platz 2 der USA Billboard Contemporary Charts landete. Zusammen mit dem Bassisten Steve Swallow nahm er zwei CDs mit dem amerikanischen Dichter Robert Creeley auf, mit Auftritten in Buffalo, Woodstock, der Knitting Factory in NYC und in Austin, Texas.

www.rotwelsch.ch
https://www.youtube.com/watch?v=8qi2lRdk0MQ
https://www.youtube.com/watch?v=kkOCUOIvCHI